Teil 1 - Pflege und Gesundheit:
"Gemeinsam mit dem VKAD, dem Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland, fordern wir künftig ein Bundesministerium für Pflege und Gesundheit, denn Pflege muss endlich als gesamtgesellschaftliche Verantwortung angesehen werden", so Tobias Berghoff, Vorstand des Caritasverbandes Dortmund.
Immer mehr Menschen gehen in Rente, weniger Menschen folgen Ihnen nach. Die Finanzierung spitze sich deshalb immer weiter zu. Hinzu käme der Fachkräftemangel, der von Politiker:innen zu lange ignoriert wurde, bis nun das Problem zum Himmel schreie. Die Folgen, so Tobias Berghoff, sind gravierend: "Die Einrichtungen und Dienste müssen täglich viele Anfragen von verzweifelten Menschen ablehnen. Außerdem können sich die Menschen die Pflege und stationären Seniorenheime kaum noch leisten, es springt das Sozialamt ein, was teilweise erst nach über einem halben Jahr zahlt, dadurch ist die stabile Finanzierung der Einrichtungen mittel und langfristig in Gefahr".
Die Probleme wirken weit über die Branche hinaus, ergänzt Barbara Dietrich-Schleicher, Vorsitzende des VKAD: "Angehörige, die pflegebedürftige Familienmitglieder unterstützen, sind enorm gefordert. Sie können auch ihrer regulären Beschäftigung nur eingeschränkt oder gar nicht nachkommen - was sich negativ auf Arbeitsmarkt und Wirtschaftswachstum auswirkt."
Wir fordern deshalb von einer neuen Bundesregierung:
- Den Zahlungsverzug der Sozialämter an Senioreneinrichtungen zu beseitigen und unbürokratische Vorfinanzierung zu ermöglichen.
- Dem Fachkräftemangel zu begegnen, indem Abschlüsse internationaler Pflegefachkräfte schneller anerkannt werden.
- Einen Sockel-Spitze-Tausch zu vollziehen und damit Pflegebedürftige systematisch zu entlasten. Dann würde das aktuelle System der Pflegeversicherung auf den Kopf gestellt werden. Das bedeutet, der Versicherte käme für den pflegebedingten Aufwand, den festgelegten Sockelbetrag auf und die Pflegekasse übernimmt alle darüberhinausgehenden notwendigen Kosten für die Pflege.
- Die Sektorengrenzen aufzuheben. Das bedeutet, die bisherige Trennung in einen ambulanten und stationären Altenhilfebereich (Sektor) muss vollständig überwunden werden. Dann könnte die Krankenversicherung auch wieder die Behandlungspflege für Menschen in Seniorenheimen übernehmen, was den Bewohnern viel Geld sparen würde. Zurzeit übernimmt die Krankenversicherung das nur im ambulanten Bereich.
"Wer meint, Pflege sei ein Randthema, der irrt. Parteien, die Regierungsverantwortung anstreben, müssen die Bedeutung des Themas erfassen und strukturelle Veränderungen vornehmen",so Tobias Berghoff.
Die Träger der freien Wohlfahrtspflege spielen bei der Pflege eine Schlüsselrolle. So beschäftigt die Caritas Dortmund allein in der stationären Pflege rund 1.050 Mitarbeitende, in Deutschland sind es rund 127.000 Menschen. Ihr Fokus sind die Bedürfnisse der zu Pflegenden. Diese wertegebundene Ausrichtung stellt sicher, dass Pflegeeinrichtungen und -dienste auch in schwierigen Zeiten verlässlich arbeiten und die Kommunen damit in ihrer Daseinsvorsorge unterstützen.